MSR-Veranstalter: „Corona erfordert extrem hohe Flexibilität“

Auch in diesem Jahr werden zahlreiche Radevents abgesagt, hauptsächlich wegen der Covid-Pandemie. Nicht so die Mecklenburger Seen Runde, die zwar in den September verlegt wurde, dann aber definitiv an den Start geht. Veranstalter Detlef Koepke über die aktuellen Herausforderungen, solche Events anzubieten, die Förderung des Frauenradsports und den Ausblick auf die Zukunft.


Die Verlosung zur Mecklenburger Seen Runde (MSR) 2021

300 Kilometer mit dem Rad, an einem Tag, durch eine vielfältige Landschaft, mit exzellenter Verpflegung und einem gepflegten Miteinander – das ist das Konzept der Mecklenburger Seen Runde (MSR). Eines einzigartigen Radmarathons durch die Weiten Mecklenburgs. Der R2C2 verlost 4 Startplätze für das Event am 17. und 18. September 2021. Hier weitere Infos.


Detlef Koepke

Radevents in Zeiten von Corona – ist das für euch die schwierigste Zeit seit dem Start der MSR 2014?
Detlef Koepke: Die Vorbereitung der ersten MSR hat 18 Monate gedauert und aktuell bereiten wir die MSR 2021 für den 17. und 18. September 2021 vor. Es hat sich in der Zwischenzeit sehr viel verändert, z.B. dass es keine echte Sicherheit in Bezug auf die Planung gibt. Was wird genau zum Zeitpunkt der Veranstaltung erlaubt sein, was nicht? Welche Maßnahmen haben wir umzusetzen, um die Veranstaltung zu ermöglichen? Ist das, was gefordert wird seitens des Veranstalters leistbar und umsetzbar, sprengt es möglicherweise den wirtschaftlichen Rahmen, und welche Einflüsse haben die Regelungen auf das Flair der Veranstaltung?

Also Unsicherheit überall?
Corona, dass kann ich für uns, aber wohl auch für alle Veranstalter sagen, bringt massive Veränderungen mit sich und fordert von uns extrem hohe Flexibilität und Veränderungsbereitschaft und -willen – nicht nur auf der Seite des Veranstalters, auch auf der Teilnehmerseite. Der Aufwand für die Umsetzung des MSR-Konzeptes ist ohnehin schon sehr hoch und mit der Umsetzung einer RTF nicht mehr vergleichbar. Wir machen das gern, weil es extrem viele Menschen motiviert hat, aufs Rad zu steigen und zu trainieren, um einmal 300 km zu schaffen. Viele haben dabei für sich selbst viel gewonnen, nämlich Gesundheit, Wohlbefinden und Freude, daher kommen auch viele gern wieder. Unser Konzept ist es quasi jedem Freizeitradsportler zu ermöglichen, sein Ziel zu erreichen: 300 km in einem Stück zu fahren. Dafür gibt es u.a. sieben Servicedepots, die über die lange Zeit der Veranstaltung, d.h. im Zeitfenster von 28 Stunden, vieles bieten.

Rennen wie die Cyclassics mussten dieses Jahr absagen, euer Event findet statt, wie gelingt das?
Die Absage der Cyclassics stimmt uns im Team traurig, weil wir viele Radsportler kennen, die sich darauf riesig gefreut und vorbereitet haben. Veranstaltungen in so großen Städten haben komplett andere Spielregeln, insbesondere in den Zeiten von Corona.

Wo sind die Unterschiede?
Ich denke an das Thema Zuschauer, in Hamburg hat man mit mindestens 500.000 Zuschauern gerechnet, das ganze Event ist innerhalb der Stadt. Im größten Landkreis Deutschlands, der Mecklenburgischen Seenplatte, leben 240.000 Menschen, in Hamburg zwei Millionen. In Hamburg liegen die Starterzahlen weit über 10.000 bzw. sogar über 15.000, wir planen in 2021 mit unter 2000 Teilnehmern. Somit muss man die Veranstaltungen ganz und gar anders bewerten. Die MSR-Teilnehmer fahren durch üppige Natur, und das Feld der Fahrer zieht sich auf 300 km weit auseinander. Wir planen und begrenzen die Teilnehmerzahl bei der MSR 300 auf unter 2000 Teilnehmer und haben damit auch eine sehr überschaubare Gruppe von Teilnehmern zeitgleich an den Depots. Die Gespräche, die wir in den letzten 15 Monaten mit den Behörden hatten, haben dafür gesorgt, dass ein gegenseitiges Vertrauen gewachsen ist, und auf dieser Basis kann die MSR Schritt für Schritt in die Umsetzung gebracht werden.

Welche Neuerungen gibt es neben den Corona-Sicherheitsauflagen gegenüber dem letzten Event?
Die Neuerungen sind alle Corona-geprägt und wir gehen optimistisch davon aus, dass es 2022 viele neue Dinge gibt, den Teilnehmern zur Freude. In diesem Jahr liegt der Fokus ganz eindeutig zunächst darauf, dass die notwendigen
Dinge im Sinne der Sicherheit umgesetzt werden. Dazu gehören folgende Anpassungen:

  1. 2021 gehen jeweils 70 Starter pro Startblock statt 150 bisher auf die Runde
  2. Die Abstandsregelung und Maskenpflicht im Startblock ist erforderlich
  3. Es wird keine MINI MSR geben, das schmerzt uns sehr, denn es waren immer über 400 Kinder, die mit totaler Begeisterung über den Asphalt im Neubrandenburger Kulturpark geflitzt sind.
  4. Wir haben den „Speiseplan“ für die Teilnehmer an einigen Depots angepasst.
  5. Unterwegs gibt es keine Beschränkungen
  6. An den Depots wird die Ausgabe der Speisen und Getränke konform der Hygienevorschriften erfolgen.
  7. Die Teilnehmer werden kurz vor der Veranstaltung mit den aktuellen Informationen versorgt.
    Wir freuen uns sehr auf die Veranstaltung und darauf, „unsere“ Teilnehmer wiederzusehen und freuen uns ebenso auf viele freudestrahlende Gesichter im Ziel, die dort ihre wohlverdiente Medaille in Empfang nehmen.

Die Frauen bzw Förderung des Frauenradsports spielt bei der MSR seit Jahren eine sehr wichtige Rolle. Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein eigenes Angebot für Frauen zu machen?
2013 im Juni bin ich meine erste 150 km und ein paar Tage später noch meine erste 300 km-Vätternrundan gefahren. In Deutschland gibt es sehr viele Frauenläufe und in Schweden gab es eine reine Radsportveranstaltung nur für Frauen. So etwas hatte ich noch nie gesehen, noch dazu mit über 6000 Frauen. Richtig emotional berührt hat mich dann aber der Zieleinlauf, wo hunderte von Männern hinter der Absperrung auf „ihren Schatz“ gewartet haben, mit Fotoapparat und einer Rose mit einer gelb-blauen Schwedenschleife und mit einem strahlenden Lachen, wenn die eigene Frau nach 100 km wieder im Ziel war. Es waren sehr viele Frauen, die die 100 km mit ihrem Alltagsrad gefahren sind, und nach Ankunft im Ziel sind die Paare Hand-in-Hand durch Motala geschlendert.

Wie ging es dann weiter?
Kurz danach war mir klar, so etwas muss es auch in Deutschland geben. Damit war bereits die Idee zu unserer MSR 90 geboren und im Laufe der Zeit werden es immer mehr Frauen, denen die 90km viel zu wenig sind und ganz selbstverständlich bei der MSR 300 am Start sind. Es sind immer wieder Frauen an uns herangetreten, die gemeinsam als Gruppe voller Freude an der MSR teilgenommen haben. Darunter ist auch Donna Wandt, eine Hamburgerin, die sich nun mit uns gemeinsam dafür einsetzt, dass mehr Frauen in den Radsport hineinwachsen. Dazu gehört bei uns z.B. ein eigener Frauen-Startblock mit Guidinnen, so dass Frauen auch mit ihrer gewünschten Durchschnittsgeschwindigkeit sicher über die 300km geführt werden. Da gibt es Gruppen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 23 km/h aber auch Frauen, die viel schneller unterwegs sind. Das besondere Flair ist das Credo: Keine bleibt zurück! Gemeinsam starten, gemeinsam ankommen! Das trifft den Nerv der MSR, bei der es uns um Begegnungen geht, um Freude und mehr um das Erlebnis, als um das Ergebnis.

Was habt ihr bei MSR in den kommenden Jahren vor?
Ideen haben wir da einige, und eine davon ist es neben der MSR 300 und unserer MSR 90 für die Frauen auch eine mittlere Distanz – nämlich eine MSR 150 km -, bei der Frauen und Männer starten können am Wochenende vor der MSR 300 an den Start zu bringen. Doch das Projekt wird nun noch ein wenig in der Schublade verharren. Die aussergewöhnliche Schönheit der Landschaft, die Naturkulisse der Seenplatte und das niedrige Verkehrsaufkommen sind dafür eine gute Basis. Auch eine begrenzte Zahl von Elekroradfahrern könnte dort starten.

Wir werden 2022 die beste aller MSR an den Start bringen. Das war, ist und wird uns mit der Unterstützung der vielen Helfer aus der Region sicher gelingen. Wie das genau aussieht, das kann ich heute noch nicht sagen, und wir entwickeln uns in den Wintermonaten immer weiter. So konnten wir Jahr für Jahr die MSR besser machen. Also, wenn die diesjährige MSR vorbei ist, ist der Kopf frei für neue Pläne und dann können wir im Frühjahr 2022 die R2C2-Community mit News versorgen.

Die Radclub-Mitgliedschaften in der Übersicht

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