Konzepte, Gewichte, Agilität & mehr: Zehn Leichtgewichts-Modelle im Test. Rennräder ab 5,38 Kilogramm von Giant, Scott, Rose, Storck und Co. getestet.
6,78 Kilogramm – und damit 20 Gramm zu wenig: So viel wog das Wettkampfrad der Tagessiegerin Lorena Wiebes bei der offiziellen Messung nach der ersten Etappe des Giro d‘Italia Women. Die UCI schreibt für Wettkampfräder ein Mindestgewicht von 6,8 Kilogramm vor. Die meisten Teams reizen diese Grenze gezielt aus.
Für die Sprinterin des Teams SD Worx-Protime hatten diese 20 Gramm weitreichende Folgen: Neben einer Geldstrafe für das Team wurde Wiebes aus der Italien-Rundfahrt ausgeschlossen. Rennräder extrem leicht zu bauen, ist mit den heute verfügbaren Fertigungstechniken und Materialien längst kein Problem mehr. Die Profi-Teams arbeiten teils sogar mit Zusatzgewichten, um das Limit einzuhalten. Hobbyfahrern sind bei der Material- und Komponentenauswahl dagegen kaum Grenzen gesetzt.
Acht der zehn in diesem Test vertretenen Leichtbau-Rennräder unterschreiten das UCI-Mindestgewicht. Das leichteste Modell wiegt 5,38, das „schwerste“ immer noch sehr gute 7,14 Kilogramm. Einst galten Leichtbau-Rennräder als fragil, unkomfortabel und wenig alltagstauglich. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Einige Hersteller entwickelten ihre Leichtgewichtsmodelle zunehmend zu Allroundern weiter – mit mehr Dämpfungskomfort und einer langstreckentauglichen Geometrie.
Breite Reifen und niedriges Gewicht
Auch die Entwicklung hin zu breiteren Reifen muss kein Widerspruch zu einem niedrigen Komplettrad-Gewicht sein. Ein Testrad rollt auf 25, eines auf 26, fünf auf 28 und zwei auf 30 Millimeter breiten Reifen. An einem Modell, dem 8bar Kreuzberg Carbon V3, sind sogar 32 Millimeter breite Pneus montiert.
Das leichteste Rad in diesem Test ist das Storck Aernario.3 Platinum Max Performance. Sein Gewicht in der Rahmengröße M beträgt 5,38 Kilogramm. Es ist mit einem Sram-Red-AXS-1-fach-Antrieb, Carbon-Laufrädern von Scope und Komponenten von THM konsequent auf maximalen Leichtbau ausgelegt. Dennoch beträgt das maximal zulässige Systemgewicht 120 Kilogramm. Im Test erwiesen sich insbesondere der Tretlagerbereich des Carbon-Rahmens sowie das THM-Cockpit als sehr verwindungssteif.
Zu den Allround-Modellen im Test zählt das in diesem Jahr vorgestellte Rose Shave FFX. Seine Rohrformen und die RC55-CS-Hochprofilfelgen sind klar aero-optimiert. Im Verhältnis dazu fällt das Komplettradgewicht mit 6,72 Kilogramm sehr gering aus.
Auch das Scott Addict RC ist ein aero-optimierter Allrounder, der in der vorliegenden Serienausstattung nur 6,29 Kilogramm wiegt. Sein Fahrverhalten ist von einer hohen Agilität und Direktheit geprägt. Die Syncros-Capital-SL-Laufräder kombinieren eine hohe Verwindungssteifigkeit mit aerodynamischen Eigenschaften. Im Test erwiesen sie sich zudem als nur wenig seitenwindanfällig.
Preis & Leistung
Lange Zeit galt die Faustregel, dass jedes Gramm weniger beim Material „teuer bezahlt“ werden muss. Innerhalb dieses Testfelds gilt dies auch, aber nicht immer, nicht generell. Die leichtesten Testräder – das Storck Aernario.3 und das Scott Addict RC Ultimate – kosten jeweils 12.999 Euro.
Nur rund 400 Gramm schwerer, aber jeweils weniger als halb so teuer, sind das Parapera Atmos² und das Radon Spire 10.0. Das Radon etwa punktete im Test mit seiner Ausgewogenheit bei den Fahreigenschaften und einer gemessen am Preis sehr hochwertigen Ausstattung. Das Spire schaltet mit Shimanos Top-Gruppe Dura-Ace Di2. Zudem sind Newmen-Streem-Climbing-Vonoa-Laufräder verbaut, die dank ihrer geringen rotierenden Masse wesentlich zur Agilität und Beschleunigung des Rades am Berg beitragen. Ihr Gewicht: nur 1085 Gramm.
Dieser Test zeigt, dass Leichtbau nicht mehr extrem teuer und exklusiv sein muss. Auch in der Preisklasse bis 5000 Euro finden sich – wie auch frühere RennRad-Tests bereits gezeigt haben – Modelle, die sich der 6,8-Kilogramm-Grenze annähern oder diese sogar unterschreiten.

Diese Leichtgewichts-Rennräder haben wir getestet
| Marke | Modell | Preis | Prädikat |
| Radon Bikes | Spire 10.0 | 4999 Euro | Preis-Leistung |
| Parapera | Atmos² MasterpieceTestbrief | 5499 Euro | |
| Canyon | Ultimate CFR Di2 | 6499 Euro | |
| Giant | TCR Advanced Pro | 7999 Euro | |
| Rose | Shave FFX Dura-Ace Di2 | 8000 Euro | Kauftipp |
| 8bar | Kronprinz Carbon V3 | 8800 Euro | |
| Cervélo | R5 Force AXS | 8999 Euro | |
| Benotti | Fuoco Ultra | 9999 Euro | Race-Tipp |
| Scott | Addict RC Ultimate | 12.999 Euro | Race-Tipp |
| Storck | Aernario.3 Platinum Max PerformanceTestbrief | 12.999 Euro | Race-Tipp |
Die ausführlichen Testberichte der Leichtgewichts-Rennräder lesen Sie in der RennRad 8/2026. Hier können Sie die Ausgabe als Printmagazin oder E-Paper kaufen.