Münsterland Giro: auf der Suche nach dem Windschatten

Auch in diesem Jahr fand der Münsterland Giro (hier die Webseite) mit R2C2-Beteiligung statt. Unter den Startern war Valerian, der zuvor einen der kostenlosen Startplätze gewonnen hatte. In seinem Bericht schildert er seine Eindrücke.

Fotos: Sportograf

Zunächst einmal: Das Rennen ist gut gelaufen, auch wenn die Bedingungen nicht Ideal waren. Sprich: sehr windig, nass und ein paar Tage vor dem Rennen hatte ich einen Defekt am Vorderrad und musste mit meinem Zweit-Vorderrad starten.

Die Anreise hat wie immer problemlos geklappt, auch wenn ich hierfür ziemlich früh aufstehen musste. Geparkt wurde in dem dafür vorgesehenen Parkhaus, wo zufälligerweise direkt gegenüber der Vereinskollege eines Bekannten geparkt hatte. Also ihn erstmal angesprochen, ein wenig über das Rennen, die schwierige Klamottenwahl und die lustige Verknüpfung, woher wir uns quasi schon kennen, gesprochen. Er sollte im Startblock A starten. Hierfür musste man wohl über 43 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit angegeben haben. Ganz am Rande, die Klamottenwahl war dann doch nicht so schwer wie gedacht: Crosseinteiler mit kurzen Beinen und langen Armen plus dünne Handschuhe, Überschuhe, Windweste, und fertig war das Outfit.

Es war, anders als die Tage zuvor angekündigt, recht warm, wobei die Straße nass war und der Regen natürlich nicht auf sich warten ließ. Die Startnummernabholung wurde im Einbahnstraßensystem mit 3G-Kontrolle vor dem Eingang problemlos und schnell in der Mensa abgearbeitet. Nun zurück zum Auto das Fahrrad vorbereiten. Natürlich hatte ich meine Schere zum Kürzen der Kabelbinder für die Startnummernmontage vorne vergessen. Der Kollege von gegenüber und alle anderen im Umkreis hatten auch keine. „Naja, irgendwer wird sich schon finden“, dachte ich mir. Nun, ich wurde für den Startblock B eingeteilt. Sehr schade, weil ich eigentlich Spaß dran gehabt hätte, vorne mitzufahren. Ein eigenständiger Wechsel war hier natürlich auch nicht möglich. Währenddessen kamen zwei weitere Vereinskollegen von meinem Gegenüber dazu. Beide auch für Startblock B eingeteilt, also wunderbar: Zwei Rennkumpanen gefunden.

Beim Rausfahren aus dem Parkhaus fand sich direkt neben der Schranke dann doch noch jemanden mit einer Schere, also schnell noch die Kabelbinder gekürzt und dann raus auf die Straße. Auf dem Weg zum Startblock hat sich dann die Sattelklemmung von einem Mitstreiter gelöst und sein Sattel stand dann nichtmehr so, wie er stehen sollte. Denkbar ungünstig, um ein Rennen zu bestreiten. Er fuhr dann zurück und richtete seinen Sattel. Ich fuhr zum Startblock, positionierte mich recht weit vorne, hab noch schnell ein Bild gemacht und mit Mundschutz im Block coronakonform abgewartet. Die Zeit verging, der Startblock A wurde auf die Strecke geschickt. Ca. 3 Minuten später wurden wir dann bis zur Startlinie vorgelassen. Also Maske weggepackt und dann ab auf die Strecke.

Die erste Kurve durch den Kreisverkehr wurde entspannt durchrollt, auf ca. 35 km/h beschleunigt und ein paar Meter weiter, nach dem nächsten Kreisverkehr, fand ich mich dann vorne an der Spitze der Gruppe wieder. Meine Idee war eigentlich, mit ein paar starken Fahrern die Lücke zu Startblock A relativ schnell zu schließen und dann zu schauen, was noch geht. Nachdem ich bei diesen wunderschönen Bedingungen nun ein paar Meter vorne gefahren bin und Druck gemacht hatte, schaute ich mich um und fragte mich, warum mich keiner ablöst. Nach einer Kurve war ein Fahrer knapp hinter mir etwas versetzt. Ich schaute ihn an und signalisierte ihm, er sollte doch mal nach vorne fahren. Er nahm raus, schüttelte den Kopf, nahm Druck vom Pedal und reihte sich wieder hinter mir ein.

Tempo rausnehmen war keine Option, also weiter mit Druck voraus und kleinmachen war angesagt. Nach 15 Minuten vorne weg bei ca. 300 Watt hat sich ein Mitstreiter erbarmt und mich abgelöst. Nach kurzer Zeit war ich wieder vorne, nun aber in Rotation mit ihm. Eine kleine Erleichterung. Jetzt kamen nach und nach weitere Fahrer von hinten dazu und ich konnte mich ein wenig erholen. Jetzt wurde vorne eine kleine ca. 4-Mann-Rotation gefahren. Ich natürlich weiterhin dabei. Das Rennen lief jetzt unspektakulär weiter bis zu einer Umleitung aufgrund einer Straßensperrung. Diese ging über eine kleine Nebenstraße zwischen den Feldern mit einer feinen, ein bis zwei Zentimeter dicken Matschschicht obendrauf. Zu meinem Glück war ich auf diesem Stück als Erster reingefahren und hab hier die komplette Matschpassage in Führungsposition hinter mich gebracht und nur den Matsch an das Feld hinter mir weitergegeben. Im weiteren Rennverlauf passierte nicht großartig viel. Nur der Wind wurde deutlich stärker. Hier hatten alle sehr zu kämpfen. Bis zu 70 km/h-Böen von der Seite. Wobei Böen hier die falsche Bezeichnung ist. Der Wind pustete dauerhaft so stark von der Seite, dass man nur direkt neben einem Mitstreiter etwas Windschatten hatte.

Es sortierte sich in stärkere und weniger starke Fahrer. Ich war immer vorne mit dabei, und an den Anstiegen hat sich dann das Feld geteilt, und es ist nur noch eine kleinere ca. 20 bis 30 Mann starke Gruppe übergeblieben. Zwischenzeitlich versuchten zwei Fahrer aus einem Rennstall immer wieder auszureißen beziehungsweise das Tempo so stark anzuziehen an leichten Anstiegen, um wegzukommen. Das konnten wir aber immer wieder unterbinden. Nur irgendwie, ich habe es leider nicht mitbekommen, waren sie nachher weg. Bei dem Wind war man hin und wieder mal froh, sich kurz hinter den anderen im Windschatten aufhalten zu können. Am letzten Anstieg, alle hatten bei dem Wind schon gut Körner gelassen, konnte ich mich mit drei weiteren Fahrern absetzen.

Auf dem Weg bis zum Ziel haben wir noch einen Fahrer aus dem Startblock A aufgesammelt, der nach kurzer Erholungsphase dann auch mitgearbeitet hat. Nun ging mir leider etwas die Leistung aus den Beinen flöten und der leicht schräg angesetzte Gegenwind hat da auch nicht wirklich bei geholfen. Eine weitere kleine Ausreißergruppe holte uns dann noch ein und beim Zielsprint unserer kleinen Gruppe kam ich dann als Zweiter ins Ziel. Kurz vor der Ziellinie war ich noch vorne, habe den Druck vom Pedal genommen, das Rennen revuepassieren lassen und war zufrieden mit meiner Leistung. Dann kam auch sofort die Vorfreude auf die trockene Kleidung und einen kleinen Snack für die Heimfahrt. Zielzeit 3:24:42, Durchschnittsgeschwindigkeit 39.31 km/h, Platz 119 in der Gesamtwertung und Platz 47 Altersklasse Masters 1. Für die Zahlenfetischisten: 257 Watt Normalized Power, reelle 230 Watt Schnitt, ca. 2800 verbrannte Kalorien und ein Durchschnittspuls von 146 bpm. Schnell noch ein kleines alkoholfreies Radler und ein Snack aus dem Zielbeutel und ab zum Auto.

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