Die schwerste (und tollste) Lektüre der Radsportwelt: The Road Book 2019

Es gibt sie weiterhin im digitalen Zeitalter: die Print-Dinosaurier, die es trotz Facebook und Twitter, Kindle, Wikipedia und Google geschafft haben zu überleben. Es sind freilich immer weniger geworden als noch im Vor-Internetzeitalter, als hierzulande der inzwischen verstorbene „Brockhaus“ ein Dauergast in deutschen Bücherregalen war. Aber es gibt sie immer noch. Zu nennen ist der „Wisden Cricketers’ Almanack“, die Bibel des Cricket genannt, ein britisches Nachschlagewerk über den Cricketsport, das seit 1864 jährlich erscheint und die Cricket-Welt in Zahlen und Fakten zusammenfasst. Auch in anderen Sportarten gibt es weiterhin gedruckte Jahrbücher, die zumindest für einen Liebhaber-Kreis unverzichtbar sind.

Seit Ende 2018 hat auch die Radsportwelt ein solches Nachschlagewerk. „The Road Book“ ist der Titel des ambitionierten Unterfangens von Ned Boulting. Der bekannte britische Radsport-Journalist hat gemeinsam mit dem Statistik- und IT-Experten Cillian Kelly vor über einem Jahr erstmals das gesamte Renngeschehen eines Jahres zusammengetragen, auf fast 900 Seiten (2 kg schwer). Kürzlich ist die zweite Ausgabe des „Road Book“ erschienen, die mit 50 zusätzlichen Seiten noch umfangreicher als das Debüt ausgefallen ist: 932 Seiten.

Zum Inhalt:

  • Das Kompendium umfasst eine herausragende Saison mit den drei Grand Tours, sehr ereignisreichen „Monumenten“ – und die mitunter turbulente Weltmeisterschaft in Yorkshire.
  • Daneben werden sämtliche Rennen der UCI-WorldTour-Serie (insgesamt 214 Rennen, 704 Etappen) bei den Männern und Frauen statistisch durchleuchtet, von der Tour Down Under im Januar bis zur Tour of Guangxi im Oktober. Jeweils mit Zusammenfassungen des Rennverlaufs, Ergebnislisten (auch aller Etappen), Infos zu Temperaturen, Windverhältnissen, Höhenprofilen und Ausreißergruppen.
  • Alle Fahrer von 57 Teams werden aufgelistet.
  • Im Vergleich zur Ausgabe 2018 enthält die neue Ausgabe noch mehr Essays, teilweise von sehr prominenten Autoren: Annemiek van Vleuten beschreibt selbst, wie sie ihren WM-Titel errang, Richard Carapaz rekapituliert seinen Giro d’Italia-Gewinn, während Philippe Gilbert an die wichtigsten Momente seines Siegs bei Paris–Roubaix erinnert. Weitere Protagonisten der Essays sind Mathieu van der Poel, Julian Alaphilippe, Egan Bernal, Ina Teutenberg und Giorgia Bronzini.

Wie bereits beim ersten „Road Book“ dehnt sich die Lektüre gerne über Stunden aus. Denn die Essays gehören zu den besten der Radsportberichterstattung. Die Statistik-Verliebtheit der Herausgeber äußert sich wiederum in zahlreichen Infografiken, die man sonst selten bis gar nicht findet. Ein Beispiel: Dass Thomas de Gendt 2019 der Fahrer war, der am häufigsten in Ausreißergruppen unterwegs war, ist vielen Radsportfans bekannt – 17 Mal war de Gendt darin beteiligt. Aber wer folgt de Gendt? Laut dem Kompendium Julien Bernard, Alessandro de Marchi und Jesus Herrada, die je elf Mal ausgerissen sind.

Für die Datensammlung hat der Softwareentwickler Cillian Kelly (auf Twitter unter @irishpeloton für seine statistischen Aperçus bekannt), wie road.cc zur ersten Ausgabe berichtete berichtet, übrigens Künstliche Intelligenz eingesetzt: So wurden beispielsweise Texte von Radsportjournalisten automatisch ausgewertet, um die Ausreißer einzelner Rennen herauszufiltern. Kelly selbst beschrieb sein Vorgehen wiefolgt: „Jeder Fahrer hat eine Anzahl an Attributen – Alter, Team, Ergebnisse und Siege, Geburtsdatum und so weiter –, und dann kann man das alles verbinden, mit dem Resultat einer großen Landkarte, wie die Radsport-Welt aussehen sollte und den Verbindungen dazwischen. Diese Verknüpfungen haben es ermöglicht, die Daten und Statistiken, die man braucht, zu extrahieren.“

Ein mitunter kräftezehrendes Procedere: In einem Blog-Beitrag berichtet Kelly, wie er oft bis in die Nacht herein am „Road Book“ gearbeitet hat – da tagsüber hauptberuflich als Programmierer unterwegs. „Manchmal musste ich bis nachts um drei Uhr am Buch arbeiten, um langweilige Korrekturen vorzunehmen oder mir darüber Sorgen zu machen, wie verlässlich die Wetterinformationen sind, die ich zum Rennen Tropicale Amisss Bongo hatte, oder zu überlegen, wie ich an bessere Daten komme… Nachdem ich noch ein paar weitere Stunden damit verbrachte, krabbelte ich ins Bett und schaute mir die Höhepunkte des Rennens an, mit dem ich mich beschäftigte hatte – und ich genoss jede Minute.“

Dass die Lektüre des Almanachs so viel Spaß macht und Erkenntnisse verschafft, ist der Tatsache geschuldet, dass „The Road Book 2018“ eben in seiner Vielfalt mehr ist als eine ausgedruckte Enzyklopädie. Auch im Internet gibt es exzellente Datenbanken zum Radsport, allen voran Procyclingstats. Hier gibt es ebenfalls exzellente Recherchemöglichkeiten, die Web-Datenbank ist in vielen Punkten auch dem Print-Kompendium überlegen (wenn es beispielsweise darum geht, mit dem Klick auf den Namen des Fahrers zu erfahren, wo dieser in welchem Jahr angetreten ist). Und doch macht sind es gerade die Hilfestellungen und Einordnungen der Herausgeber – Essays, Infografiken – zum statistischen Teil, die das Angebot abrunden. So bleibt zu hoffen, dass dieser noch junge Dinosaurier ein langes Leben genießen wird.

Ned Boulting and Cillian Kelly: The Road Book. The Road Book Ltd 2019, Hardback, 932 pages, ISBN: 9781916484924, Price: £50

Hier kann das Buch gekauft werden.

Die Verlosung

Wir verlosen unter R2C2-Mitgliedern ein Exemplar von „The Road Book 2019“. Schreibt bis Mittwoch, 25. Dezember, 23 Uhr, eine Mail mit eurem Namen, postalische Adresse an mitgliederservice@radclub.de. Unter allen Teilnehmern wird der Sieger ausgelost.

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