„Gravel bleibt Community. Events müssen mehr bieten als nur Wettkampf“

Im Mai findet beim 3RIDES in Aachen das erste deutsche Qualifier-Rennen für die Gravel-WM statt. Dazu der deutsche Weltklasse-Gravel-Profi Paul Voß im Interview. Foto oben: Kadir Celik

Herr Voß, wie fällt das Fazit Ihrer Gravel-Saison 2022 mit der ersten UCI-WM aus?

Ich bin sehr zufrieden mit der Saison. Bei der Premiere des Red Bull Rio Grande in Texas habe ich unerwartet einen Solosieg gefeiert. Beim größten Rennen unserer Szene, dem Unbound in Kansas, war ich einer der prägenden Fahrer in der frühen Spitzengruppe. Dass es erstmals eine UCI-WM gab, war eine schöne Entwicklung. Ich hatte ein paar Kritikpunkte, mir war das Rennen bei der WM in Norditalien zu flach, die Schotterpassagen wirkten auch eher zusammengesucht. Aber ich will das nicht überbewerten. Die Jungs aus dem Straßen-Peloton waren bei der WM einfach besser, das muss ich neidlos anerkennen. Gegen Fahrer, die frisch von der Vuelta oder der Straßen-WM kommen, hast du als Gravel-Profi in so einem Rennen keine Chance. 

Foto: Studio Pilz

Der Weltverband hat nun die Qualifikationsserie für die nächste Gravel-WM veröffentlicht, mit dem 3RIDES in Aachen ist auch ein Rennen in Deutschland dabei. Wird man Sie dort sehen?

Ja, das habe ich fest vor. Ich bin gespannt, denn dieses Rennen verspricht das typische Feeling der belgisch-niederländischen Frühjahrsklassiker, nur auf dem Gravelrad. Ich bin ein Fan davon, dass jedes Rennen eine eigene Identität findet. Diese Region verkörpert für mich Radsporthistorie, vor allem auf belgischer und niederländischer Seite. Ich war da viel, als ich noch bei NetApp-Endura gefahren bin. Ich gehe fest davon aus, dass da auch viele Fans an der Strecke stehen werden.

Wird Ihnen der Rennkurs im Dreiländereck von Deutschland, Belgien und Frankreich liegen?

Ich konnte schon einen Blick auf die geplante Strecke werfen – das sieht schon nach Sport aus. Der Kurs ist verwinkelt, es gibt viele Kurven und kurze Anstiege. Das dürfte explosiven Fahrerinnen und Fahrern entgegenkommen. Das Rennen verspricht Spannung, weil Fahrtechnik gefragt sein wird. Es sind für mich dann sieben Runden, die relativ knackig sein dürften – denn da kommen wir auf etwa 2.000 Höhenmeter bei knapp 140 Kilometern. Ich bin gespannt darauf, mir die Strecke mal nicht nur am Bildschirm anzuschauen.

Planen Sie eine Strecken-Besichtigung?

Die Organisatoren des 3RIDES haben mich schon früh angesprochen und ich plane, nicht nur im Mai zu fahren, sondern mich auch gut vorzubereiten. Wir reden gerade über einen Termin, um gemeinsam mit Carolin Schiff Anfang des neuen Jahrs die Strecke genauer anzuschauen. Dann fällt es leichter, etwa zu den Singletrack-Passagen etwas zu sagen. 

Hat diese Saison mit der ersten UCI-WM den Gravel-Sport weiter nach vorne gebracht?

Da muss man differenzieren. Die Gravel-Szene ist deutlich größer, und sie existiert auch unabhängig von der UCI-Serie. Das größte und wichtigste Rennen bleibt immer noch Unbound in Kansas, USA. Doch der Wettkampfsport wächst schnell, da gehören die UCI-Rennen eindeutig zu den Zugpferden. Die Qualifier für die UCI-WM haben eine ganze Reihe spannender Wettbewerbe beflügelt. Ich hoffe, dass die UCI diese Serie weiter ausbaut, etwa durch eine Gesamtwertung während der gesamten Serie, um die Wertigkeit dieser Wettbewerbe noch zu steigern. 

Was macht ein gutes Gravel-Event aus?

Gravel bleibt Community. Die Events müssen mehr bieten als nur den Wettkampf. Bei den richtig gelungenen Rennen fahren Starter ohne Lizenz mit den besten Gravel-Profis im selben Rennen. Aber es geht eben auch um mehr, es geht um eine optisch reizvolle Route und das Zusammensein auf einem Event-Gelände, wo es anders zugeht als bei klassischen Straßenrennen. Hier soll man gern Zeit verbringen – solche Events, finde ich, machen den Reiz des Gravelns aus.

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